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"Focus" modernisiert sich weg

"Focus" modernisiert sich weg

"Focus" zieht aus München und Düsseldorf ab - unter Verlust der Arbeitsplätze

 

Die Redaktionsstandorte München und Düsseldorf sollen geschlossen werden. Neun Kolleginnen und Kollegen steht die Kündigung ins Haus.  Aus Burda-Sicht das konsequente Ende der Salamitaktik zur Verlegung der gesamten Redaktion nach Berlin. Zur Erinnerung: der Redaktionssitz war einst in München. In mehreren Aktionen wanderten erst Redaktionsteile, dann ganze Redaktionen nach Berlin. Dass bei der  im Wege des Umzugs stets Arbeitsplätze verlustig gingen, war eine nicht unwillkommene Begleiterscheinung. 

Das ist natürlich eine sehr einseitige Sicht. Denn Chefredakteur Robert Schneider ist durchaus mitfühlend. "Die Redaktion verliert nicht irgendwelche Arbeitsplätze, sie verliert Kollegen. Das schmerzt die betroffenen Mitarbeiter - und die gesamte Redaktion". Allerdings ist der Schmerz zumindest an der Redaktionsspitze nicht so groß, dass er ausreichen würde, die unfreundliche Trennung einfach zu unterlassen. Aber dem stehen halt höhere Ziele im Weg, geht es doch wieder einmal um die "Modernisierung der Redaktionsstruktur". In diesem Fall um das  Einschrumpfen von elf auf nur noch drei Ressorts: "Politik und Wirtschaft", "Wissen und Gesundheit", "Kultur und Leben".

"Der Umbruch wird die Redaktion wirklich fordern. Er bedeutet aber auch eine große Chance, das Heft noch zupackender, aufregender und unverwechselbarer zu machen" schwärmt Robert Schneider. Das Erstaunliche ist nur immer wieder, dass die zupackende, aufregende und unverwechselbare neue Redaktionswelt mit immer weniger Festangestellten gestaltet werden soll. Eine gewisse Atemlosigkeit ist dabei wohl einzukalkulieren. Wer freilich bei Burda auch nur im Entferntesten an die tariflichen Arbeitsbedingungen in Redaktionen denkt, der hat im Verlag des früheren Vorsitzenden des tarifschließenden Zeitschriftenverleger-Verbandes nichts verloren.

Dafür ist das Unternehmen ja großherzig. Für Gekündigte würden „mögliche Weiterbeschäftigungen im Unternehmen geprüft", beteuert der Verlag. Den Worten würde man gerne Vertrauen schenken; in der Vergangenheit war das Engagement des Verlags für eine angemessene Vermittlung im Haus allerdings - wie sollen wir sagen - nicht wirklich ausgeprägt.