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Damit kein Gras über die Geschichte wächst

Damit kein Gras über die Geschichte wächst

Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 ver.di München Damit kein Gras darüber wächst
Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 ver.di München München liest - aus verbrannten Büchern

 

Damit kein Gras über die Geschichte wächst -

Erinnerung an die Bücherverbrennungen in München 1933 

 

Prominente und weniger prominente Münchner Bürger lasen am 10. Mai 2019, dem Tag der Bücherverbrennung, am Königsplatz aus verbrannten Büchern.

ver.di unterstützt das jährliche Gedenken an die barbarische Kunst- und Kulturvernichtung der Nazis. Der "schwarze Brandfleck" auf dem grünen Rasen mahnt, nie zu vergessen und den Anfängen zu wehren.

In München wurden 1933 gleich zwei Mal Bücher auf dem Königsplatz verbrannt. Am 6. Mai 1933 marschierte die HJ zur Vernichtung "aller marxistischen, pazifistischen Schriften" auf. Am 10. Mai 1933 beteiligten folgte dann die Aktion der Deutschen Studentenschaft und des Nationalsozialistischen Deutschen Hochschulbundes (NSDStB). Dabei drängten sich 50.000 Schaulustige auf dem Königsplatz. Im Radio urde live berichtet.

Organisiert wurden die Bücherverbrennungen von der Deutschen Studentenschaft und dem NSDStB, in Einzelfällen (z.B. in Orten ohne Hochschule) von der HJ. An den Verbrennungen beteiligten sich auch zahlreiche Professoren. Sie marschierten teilweise in Talaren oder SA-Uniformen mit. Es gab Buchhandlungen und Bibliotheken, die verfemte Bücher rechtzeitig in Sicherheit brachten, in der Regel aber fanden die Studenten bereitwillige Unterstützung.

Zu den verfemten Autorinnen und Autoren gehörten u.a.Vicki Baum, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertold Brecht, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Sigmund Freud, Heinrich Heine, Ödön von Horvath, Franz Kafka, Erich Kästner, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Karl Kraus, Theodor Lessing, Georg Lukacs, Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Karl Marx, Walter Mehring, Erich Mühsam, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Theodor Wolff, Stefan Zweig. Auf dem Scheiterhaufen landeten auch Bücher fremdsprachiger Autoren, u.a. von Ernest Hemingway, Upton Sinclair, Jack London und Maxim Gorki.

Oskar Maria Graf, der sich bereits im Exil befand, fand seinen Namen nicht auf der Liste und forderte: "Verbrennt mich!" Er habe das Recht zu verlangen, dass seine Bücher "der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelingen". Während Oskar Maria Graf (und viele andere) 1933 bereits den mörderischen Charakter des Regimes erkannte, wollten das andere Geistesgrößen partout nicht wahrnehmen oder sonnten sich sogar noch in der Gunst der neuen Herren.