Beim Münchener Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Oktober 1949 wurde die Berufsgruppe der Journalistinnen und Journalisten zunächst der Gewerkschaft "Kunst" zugeordnet. Vorsitzender des Berufsverbandes, der seinen Sitz bei der Gewerkschaft Kunst in München hatte, war Wilhelm Endrulat. Andere Journalisten schlossen sich der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) an. "Da es zu Beginn der 50er Jahre nur wenige Verlage gab, die auch über eine eigene Druckerei verfügten, beschränkte sich die organisatorische Präsenz der IG Druck und Papier in Zeitungsverlagen auf die etwa zehn bis 15 Prozent der Verlage mit eigener Druckerei. Hier gab es allerdings auch vereinzelt Journalisten, die Mitglied in der IG Druck und Papier waren." (vgl. Klaus Betz: "Vom "Berufsverband" in der Gewerkschaft Kunst zur "Berufsgruppe" in der Industriegewerkschaft Druck und Papier 1949 - 1951", in "Publizistik & Kunst", 4/91)

Um die Aufsplitterung der Journalisten in verschiedene Teilgewerkschaften zu beenden, diskutierte man am 29. Januar 1951 beim DGB-Bundesvorstand in Düsseldorf darüber, zu welcher der drei Teilgewerkschaften die Journalisten eingegliedert werden sollen. Der DBG Bundesvorstand entschied sich für die IG Druck und Papier, so dass "die zuvor noch so hartnäckig streitenden Kontrahenten Gewerkschaft Kunst und Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen in dieser Lösung noch das kleinere "Übel" erblickten" (vgl. Betz). Maßgeblich beteiligt an dieser Entscheidung war der damalige Gründungsvorsitzende August Enderle.

Am 1. April 1951 wurde die gewerkschaftliche Organisation der Journalisten und Schriftsteller als Teil der Industriegewerkschaft Druck und Papier im DGB gegründet. 1960 gab sich diese Berufsgruppe den Namen "Deutsche Journalisten Union". Die Berufsgruppe der Schriftsteller gehörte zunächst dazu, spaltete sich aber später ab und gründete einen eigenen Verband mit dem Namen "VS - Verband Deutscher Schriftsteller". (Siehe dazu Interview mit Dieter Lattmann). Erstmals in der Geschichte Deutschlands kam es dazu, dass sich Journalisten einer gewerkschaftlichen Organisation anschlossen, die nicht nur deren eigene Interessen vertrat.

In den ersten Jahren ihres Bestehens bemühte sich die Berufsgruppe der Journalisten im DGB vergeblich um ihre Anerkennung als Tarifpartner. Bis 1966 wurde dies von Seiten der Verleger verweigert: "Der IG Druck und Papier fehlte damit eine wichtige Voraussetzung, um die Interessen der bei ihr organisierten Journalisten wirksam zu vertreten. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass in der dju im Jahr 1965 mit 1200 Mitgliedern deutlich weniger Journalisten organisiert waren als im DJV. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass in der dju nur Journalisten der Printmedien organisiert waren. Die gewerkschaftlich organisierten Journalisten im Rundfunk wurden durch die Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU) vertreten." (vgl. Bernhard Fritsch, Das Problem der inneren Pressefreiheit", Kap. 2.1 Journalistenverbände, 1994).

Erst im Jahre 1966 setzte die Aktion "Federblitz" des IG Druck-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen durch, dass die dju als Tarifpartei anerkannt wurde. (Siehe dazu Interview mit Ingeborg Weber, ehemalige dju-Vorsitzende in München).

1989 schloss sich die IG Druck und Papier mit der Gewerkschaft Kunst zur IG Medien zusammen. Hier bildete die dju zusammen mit dem früheren DJV-Landesverband SWJV die "Fachgruppe Journalismus in der Industriegewerkschaft Medien". Verbandsorgan war die von Januar 1952 bis Dezember 1989 monatlich erscheinende Zeitschrift "Die Feder", herausgegeben vom Hauptvorstand der IG Druck und Papier. Danach hieß die Zeitschrift "Publizistik & Kunst" (Untertitel: "Zeitschrift der IG Medien"). Seit Januar 1994 gibt es die Zeitschrift "Menschen machen Medien", die von den IG Medien und jetzt von ver.di herausgegeben wird.

Seit der Gründung von ver.di gehört die Fachgruppe Journalismus dem neuen Fachbereich 8 an, in dem die Gruppen Medien, Kunst und Kultur, Druck und Papier, industrielle Dienste und Produktion zusammengefasst sind. Heute zählt die dju knapp 20.000 Mitglieder. Nicht mitgerechnet sind die Kolleginnen und Kollegen bei Radio und Fernsehen, die aus der Historie erwachsen einen eigenen Verband bilden.

"Den Mächtigen unbequem zu sein und Dinge transparent zu machen", erwartet Klaus Bednarz von den gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen. Auf der 50-Jahr-Feier im Mai 2001 der dju in Köln kritisierte er, dass originäre und investigative Eigenleistungen der Journalisten.  immer weniger würden. Dies läge zum Teil am Sparzwang und am Zeitdruck in den Redaktionen, aber auch an "purer Bequemlichkeit". Bednarz rief die dju auf, die Rückkehr zu den journalistischen Grundtugenden zu fördern. Wie Bednarz forderte auch Eckart Spoo, Vorsitzender der dju von 1970 bis 1986, einen in jeder Hinsicht unabhängigen Journalismus. Journalismus solle auch in Zukunft die öffentliche Meinungsbildung unterstützen.

  • Klaus Betz, in: "Publizistik & Kunst", 4/91, "Vom Berufsverband in der Gewerkschaft Kunst zur "Berufsgruppe" in der IG Druck und Papier 1949-1951: Journalistinnen und Journalisten in der Industriegewerkschaft"
  • Gerhard Manthey in: "Publizistik & Kunst" 4/91, "40 Jahre erfolgreiche Tarifpolitik durch Gewerkschaft. Mit der "Aktion Federblitz" wurden die Weichen neu gestellt."
  • Hartmut Schergel, in: "Publizistik & Kunst", 4/91, "Wir sind "richtige" Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen geworden. Zur aktuellen Situation der Journalistinnen und Journalisten in ihrer gewerkschaftlichen Organisation"
  • Bernhard Fritsch, "Das Problem der inneren Pressefreiheit", 1994
  • Bernt Engelmann/ Eckart Spoo u.a. "Wir sind so frei, Künstler und Publizisten gegen politischen und wirtschaftlichen Druck", 1984
  • Dieter Schuster, "Die Deutsche Gewerkschaftsbewegung", DGB, Köln 1980
  • Martin Kempe, "Die Kraft kommt von den Wurzeln - Perspektiven der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland", Frankfurt/M. 1990

Die Seite zur Geschichte der dju (einschließlich der Interviews) entstammt dem Abschlussprojekt des Kurses OJ-5 der Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner. Redaktion: Dr. Kristin Beck (KriB), Rouven Helmut Brunnet (RoB), Christian Buchard (ChB), Angela Götsch (AG), Jan Lindemann (JaL), Dr. Martina Marschall (MaM), Dr. Heiko R. Nestl (HrN), Birgit Pfeiffer (BiP), Dr. Jörg Werner Schmidt (JwS).

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