Beschäftigte beim Kreisboten unterstützen!

In der Zeit zwischen 18. Juli und 8. September 2016 haben Beschäftigte des Kreisboten-Verlags in Weilheim an acht Tagen gestreikt. Ausführlichere Informationen über den Hintergrund der Auseinandersetzung sind unserer "Bürgerinformation" zu entnehmen, die nebenstehend als pdf zur Verfügung steht.

15 von 32 Kreisboten-Beschäftigten in der Satztechnik haben dem Druck widerstanden und die Arbeitsverträge mit der PMS in Penzberg nicht unterschrieben. Sie erwarteten daher ihre Kündigung. Aber siehe da, am 12. September wurde ihnen mitgeteilt, dass sie beim Kreisboten-Verlag weiterarbeiten sollen. Da kam Freude auf, hat sich doch damit bestätigt, dass die Setzer nicht ohne Weiteres zu ersetzen sind. Schade, dass das nicht alle so gesehen haben. Diejenigen, die Arbeitsverträge mit der PMS unterschrieben haben, sollen zum Dank dafür auch keine Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes beim Kreisboten-Verlag erhalten, weil die schlechteren Arbeitsbedingungen bei der PMS zumutbar seien.

Aber auch für die beim Kreisboten-Verlag Verbliebenen wäre noch einiges zu klären, da wir unlautere Absichten der Ippen-Gruppe für die Zukunft nicht ausschließen können. Betriebsrat und Gewerkschaft werden nun über die weiteren Schritte beraten; zu gegebener Zeit werden wir wieder informieren.

Herzlichen Dank sagen wir den bisherigen UnterstützerInnen in dieser Auseinandersetzung!

 

 

Inside Ippen: Wer nicht spurt...

"Mal wird er als Regionalzeitungsfürst bezeichnet, mal als Großverleger. Fakt ist: Dirk Ippen, 75, besitzt etliche Zeitungen, viele Anzeigenblätter und ein paar Druckereien. Mit seiner Verlagsgruppe rangiert er auf dem Gesamtmarkt der Zeitungen auf Platz 6, zwischen Madsack und der Augsburger Allgemeinen. Doch was in Online-Nachschlagewerken, Verlegerporträts und Ranglisten nicht steht, interessiert DRUCK+PAPIER: Wie sind die Arbeitsbedingungen in Ippen-Betrieben? Was treibt die Beschäftigten um?" ( -> vollständiger Artikel)

Ausführlicher Bericht in DRUCK+PAPIER / Ausgabe 3 (Juli) 2016 und Interview mit dem Medienwissenschaftler Horst Röper.  

Unterstützerinnen melden sich zu Wort

05.09.2016 E-Mail von Jochen Diefenthaler, Memmingen

 

Sehr geehrte Damen und Herren des Kreisboten-Verlags, sehr geehrte Damen und Herren des Memminger Kuriers, sehr geehrte Damen und Herren des Mindelheimer Wochenkuriers,

von der Gewerkschaft ver.di habe ich vor einiger Zeit das hier beigefügte Dokument erhalten, das Auskunft über eine (...) erzwungene Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Beschäftigten Ihrer Unternehmensgruppe gibt.

Vor einigen Wochen habe ich Anzeigen im Memminger Kurier und im Mindelheimer Wochenkurier geschaltet.

Ich werde auch künftig gelegentlich Anzeigenaufträge zu vergeben haben.

Ich werde genau beobachten, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt.

Sollte sich die Situation der Beschäftigten nicht verbessern bzw. sollte ich erfahren, dass die erzwungene Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bereits durchgeführt wurde, wird das für mich ein gewichtiger Grund sein, künftig vorzugsweise nicht mehr im Memminger Kurier und im Mindelheimer Wochenkurier, sondern stattdessen nur noch in der Memminger und Mindelheimer Zeitung zu inserieren.

 

12.08.2016 Schreiben an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von P. Zwick, Marktoberdorf/Geisenried

„Entweder – oder“ es geht auch ohne Tarifvertrag

Sehr geehrte Geschäftsführung,

Sie verlagern ihren Druckbetrieb und ändern die Anstellungsbedingungen ihrer Mitarbeiter. Für  35 Beschäftigte bedeutet dies jedoch keine Erleichterung des Arbeitsalltages sondern verstärkten Druck. Man kann auch sagen sie werden ganz einfach gedemütigt, denn ihre Arbeitsleistung wird nicht genügend wertgeschätzt. Ich frage mich deshalb schon, welche Menschen wohl diese Entscheidungen treffen, die nur mehr zwischen „Entweder – oder“  steht.

Zum Nachdenken noch vier Zeilen aus einem Gedicht von Udo Spitz:

Die Zeit hat kein Herz mehr, das Herz keine Zeit,
weil alles nach Macht und nach Reichtum nur schreit
Die Zeit hat kein Herz mehr: Wo ist es nur Hin?
Sie hat es verloren, damit ihren Sinn ...

Ich bin übrigens eine Zeitungszustellerin und arbeite für den Mindestlohn. Und ich bitte sie deshalb, sich doch einmal ihren Geldbeutel nur mit dem Mindestlohn zu füllen und damit zurechtzukommen und sich erst dann ein Urteil und eine gerechte Entscheidung zu fällen. Den Kreisboten oder jede andere Zeitung auszutragen ist zudem kein Spaziergang, sondern echte Arbeit, die sehr wohl der Wertschätzung über den Mindestlohn hinaus bedarf.

 

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)

In der Anlage (pdf) Solidaritätserklärung der KAB Weilheim für die Beschäftigten der Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG

05.08.2016 Schreiben an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von Susanne Meyer-Keusch, Murnau:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit unterstütze ich die Forderungen der Beschäftigten des Kreisboten und der Gewerkschaft ver.di. Die Aushebelung der Tarifbindung und damit die Nichteinhaltung von Tarifverträgen, ganz egal auf welchem Weg dieses geschieht, führt zu Lohndumping und damit zu erheblichen Einkommensverlusten für die Mitarbeiter. Sieht man sich die Lebenshaltungskosten in dieser Gegend an, müssten die Mitarbeiter deutlich über Tarif bezahlt werden. Die Stärke und Macht einer Gewerkschaft wird bestimmt durch die Anzahl ihrer Mitglieder, deshalb möchte ich an alle Mitarbeiter appellieren, der Gewerkschaft beizutreten, nur durch sie können die Interessen der Arbeitnehmer gewahrt werden.

Seit wann wird den Austrägern des Kreisboten der gesetzliche Mindestlohn gezahlt? Berechnet man die Zeit für das Einsortieren der Prospekte und die Zeit für das Austragen, kommen die Schüler niemals auf 8,50 € pro Stunde. Sonst hätte der Kreisbote auch zuverlässige Austräger. Aber bei der schlechten Bezahlung will diesen Job natürlich niemand machen, mit der Folge, dass der Kreisbote in einigen Ortsteilen nur sehr sporadisch verteilt wird.

Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsführung, bitte zahlen Sie Ihren Mitarbeitern mindestens den Tariflohn und bieten Sie Arbeitsbedingungen, wie sie im Manteltarifvertrag festgelegt sind.

 

03.08.2016 E-Mail an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von Erwin Keusch, Murnau:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bestürzung habe ich davon gehört und gelesen, dass Sie planen, 35 Beschäftigte des Kreisboten-Verlags zu entlassen bzw. in die Firma PMS (Penzberg) zu übernehmen, in der im Gegensatz zum Kreisboten-Verlag kein Tarifvertrag gilt. Das hat zur Folge, dass die Beschäftigten zukünftig weniger verdienen.

Nun ist ja Outsourcing nichts Neues. Es wird weltweit längst und exzessiv betrieben. Das wissen Sie bestimmt besser als ich. In diesem Fall hat Ihre Strategie jedoch überdies den Charme, dass PMS eine Tochterfirma Ihrer Mutterfirma ist, womit das hinzugewonnene Geld in der Familie bleibt.

Sie mögen zugunsten Ihres Vorhabens eine Reihe von Argumenten haben, u.a. den bekanntlich „angespannten Zeitungsmarkt“. Seit 20 Jahren finde ich jedoch in unserem Briefkasten kein anderes Anzeigenblatt als den Kreisboten. Die Konkurrenz ist also überschaubar. Außerdem habe ich gehört, Sie müssten Ihren Austrägern nun den Mindestlohn bezahlen. Das ist natürlich hart: 8 Euro 50! Woher nehmen?

Im Ernst: Ich halte Ihr Verhalten nicht nur für unsolidarisch (z.B. gegenüber den Unternehmer-Kollegen, die sich an Tarifverträge halten), sondern auch für kurzsichtig und letztlich dumm.

Kurzfristig wird sich Ihre Erwartung auf höhere Gewinne vermutlich realisieren lassen. Aber warum „dumm“? Ein Anzeigenblatt wie der Kreisbote lebt ja augenscheinlich davon, dass Geschäfte, Betriebe, Vermieter usw. Anzeigen schalten. Die Inserenten machen bessere Geschäfte, wenn ihre potenziellen Kunden sich ihre Angebote leisten können, z.B. die Angebote in den Wohnungsanzeigen. Das können sie logischerweise eher, wenn sie genügend verdienen. Der Kreisbote leistet durch sein Lohndumping also (ungewollt?) einen Beitrag zum Konsumverzicht, zugegeben bloß für 35 Leute und ihre Familien. Wenn aber noch viele Ihrem Beispiel folgen, mag es sein, dass etliche Ihrer Kunden ihr Marketing zu Ihrem Schaden etwas zurückfahren müssen. Ein Kreislauf, an dem der Kreisbote dann seinen unrühmlichen Anteil hat.

Diesem Land geht es gut. Es wird ihm weiterhin gut oder gar besser gehen, wenn die Binnennachfrage steigt, also der Konsum. Das geht nur mit höheren Löhnen. Klingt sicher unangenehm für Sie. Aber andere machen es vor, z.B. die Amis und die Schweizer. Bei Lidl-Schweiz beträgt der Mindestlohn 4000 Franken. Damit können sich die Kassiererinnen das Leben in diesem teuren Land, in dem die Unternehmer bekanntlich auch schöne Gewinne machen, leisten.

Fazit: Von Solidarität und Menschlichkeit haben letztlich alle ihren Vorteil, auch Sie und Ihre Kinder. Aber man muss nicht einmal „menschlich“ sein, es genügt, klug zu sein, wenn man an die Zukunft denkt und nicht an schnelle Gewinne.

 

29.07.2016 E-Mail an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von Elisabeth Brock, Kempten (Allgäu):

Sehr geehrte Herren und Damen,

die Gewerkschaft ver.di hat mich informiert, dass den Beschäftigten der Satztechnik des Kreisboten verschlechterte Arbeitsbedingungen ins Haus stehen. Ich solidarisiere mich mit den Beschäftigten und ihren Forderungen und hoffe auf einen beide Seiten zufriedenstellenden Kompromiss.

 

28.07.2016: E-Mail an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von J. F., Penzberg:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als zuverlässiger Leser Ihrer Veröffentlichungen Kreisbote/Gelbes Blatt in Penzberg, die ich – trotz ihrer Werbelastigkeit – inhaltlich schätze, habe ich mit Bedauern davon erfahren, dass im Bereich Satz und Druck unschöne Veränderungen geplant sind.

Natürlich ist Ihnen der Satz unseres Verfassungsrechtes bekannt, wonach Eigentum dazu verpflichtet, dem Gemeinwohl zu dienen. Zum Gemeinwohl gehört unverbrüchlich auch der soziale Friede.

Ist Ihnen bewusst, dass Sie angesichts der enormen heutigen Schere zwischen Arm und Reich durch eine Auflösung von solchen Arbeitsverhältnissen, die aufgrund einer bestimmten Tarifvertragsbindung ein angemesseneres Einkommen ermöglichen, dazu beitragen, dass ein Zerfall der Gesellschaft drohen kann? Sind Sie sich darüber im Klaren, wie schwer es in unserem Land vielen einfachen Arbeitnehmern schon heute geworden ist, ihr tägliches Leben zu fristen, geschweige denn für eine Familie zu sorgen?

Ich möchte meine Heimatanzeigenblätter gerne so lesen, dass ich nicht, wenn ich sie in die Hand nehme, daran denken muss, wie diejenigen, die sie hergestellt haben, unter schlechteren Bedingungen leben müssen, als möglich gewesen wäre – wenn die Verlagsgruppe, zu der Kreisbote & Co. gehören, nur gewollt hätte.

Dieser – Ihrer – Verlagsgruppe, geht es offenbar wirtschaftlich gut. Ist es da nötig, Vorreiter für Lohndrückerei zu werden? Wie groß ist Ihre Empathie mit Ihren Mitarbeitern?

Hoffentlich kann man demnächst von positiven und menschenfreundlichen Entwicklungen der angesprochenen Beschäftigungssituation bei Satz und Druck in Ihrem Unternehmen hören.

 

26.07.2016 E-Mail an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von G. Motzet, Dietmannsried:

Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsführung,

wie ich erfahren habe, ist die Geschäftsführung der Ippen-Gruppe gerade dabei einen riesigen Fehler zu begehen. Nicht nur, dass die Satztechnik nach Penzberg verlegt werden soll, sondern auch, dass dafür wohl neu engagierte Arbeitnehmer beschäftigt werden. Sind denn die bisherigen Mitarbeiter so schlecht oder Ihnen nur zu teuer? Ich habe in dieser Hinsicht, was „Tarifflucht“ angeht, schon große Erfahrungen gemacht.

Da kann ich nur mit dem Zitat von Robert Bosch kontern: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle!“

Bitte nochmal nachdenken!!! Solche Fehler haben andere auch schon gemacht und bitter bereut. Wenn beispielsweise das Personal hinterher nicht mehr an einem Strang zieht! Da sinkt die Arbeitsleitung signifikant! Garantiert.

 

21.07.2016 E-Mail an die Kreisboten-Verlag Mühlfellner KG von Mariele Schäffler, Weilheim:

Sehr geehrter Herr Schöningh,

sie kennen mich nicht und ich Sie auch nicht. Allerdings haben wir eine Gemeinsamkeit. „Wir sind beide Menschen.“ Deshalb möchte ich gerne mit Ihnen auf dieser Ebene mit einem Anliegen an Sie herantreten.

Heute habe ich auf dem Marienplatz ein Blatt Papier in die Hand gedrückt bekommen mit der Überschrift „Beschäftigte beim Kreisboten unter Druck“. Nur ein Blatt Papier. Ich wusste um was es geht. Es stand ja im Kreisboten. Aber heute nachdem mich Menschen ansprachen, dachte ich mir jetzt musst du was machen.

Warum  machen die da „oben“ das?

Mein ganzes Weltbild das ich mir vom Kreisboten gemacht habe, fiel in sich zusammen. Ich freue mich jetzt nicht mehr, wenn ich Mittwoch und Samstag vom netten Austräger das Anzeigenblatt überreicht bekomme. Denn auch diese Menschen haben es nicht leicht. Aber sie haben sich für eine Beschäftigung entschieden, die nicht jeder machen würde, nur um ein bisschen Geld zu verdienen. Bei Sturm, Regen, Schnee, besser gesagt bei jedem Wetter kann man sich darauf verlassen den Kreisboten pünktlich zu bekommen. Sie wissen dass es wichtig ist dass man sich auf etwas verlassen kann. Aber auch dieser Bereich wurde in vielerlei Hinsicht gekürzt.

Wissen die da „oben“ das auch?

Mit einem unguten Gefühl werde ich in Zukunft den Kreisboten lesen, vielleicht mache ich es auch so wie manch anderer und hänge ein Schild an den Briefkasten „Keinen Kreisboten bitte“.

Aber vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit. Wie viele Menschen lesen die Zeitung? Kann ich helfen? Könnte alles dann beim Alten bleiben? Mein Vorschlag:

Ich abonniere den Kreisboten und zahle monatlich 5,–  Euro. Die habe ich von meiner Rente noch übrig. Wenn man dies mit 10.000 Lesern schafft, wären das monatlich 50.000,– Euro. Reicht das monatlich? Vielleicht können Sie diesen Brief im Anzeigenblatt abdrucken und wenn es nicht zu teuer wird, vielleicht auf der ersten Seite. Dann werden es vielleicht noch mehr. Jeder der mir zustimmt wird ein Abo machen, denn es geht um Menschen aus unserer Region und um etwas Menschlichkeit.

Man muss nicht alles mitmachen nur damit es neu wird. Bestimmte Dinge sind wichtig sogar sehr wichtig auch wenn sie alt sind. Menschlichkeit ist wichtig und stellen Sie sich vor, was für ein tolles Gefühl Sie haben, wenn Sie hören, von Ihren Angestellten und Ihren Lesern:

Mensch, das haben Sie toll gemacht. -  Die da „oben“.

P.S. Sie brauchen mir nicht zurückzuschreiben, Sie könnten es, da ich nicht anonym schreibe sondern meine Adresse angebe, denn was ich sage dafür stehe ich ein, aber ich würde Ihren Brief wahrscheinlich nicht lesen.

Möchten Sie mir aber im Kreisboten antworten, dann, ja dann würde ich mich freuen. Denn dann weiß ich, Sie stehen zu Ihrem Wort und tragen die volle Verantwortung für das, was Sie tun und dann würde ich Sie auch gerne kennenlernen, so von Mensch zu Mensch.

 

Die tz kennt ihre Pappenheimer (Aufmacher Ausgabe 06.08.2016)

Eine Ippen-Redaktion weiß Bescheid
Foto/Grafik: BM

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